Welt am Sonntag: Overtourism in Mallorca

Shownotes

Keine Lust auf Phantasialand - Mallorca droht am Tourismus zu ersticken. Von Per Hinrichs. Erschienen in der Welt am Sonntag.

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00:00:04: Article.

00:00:05: Zeitung zum Hören.

00:00:07: Keine Lust auf Phantasialand.

00:00:10: Von Pär Hinrichs.

00:00:11: Erschienen in der Welt am Sonntag.

00:00:15: Mallorca droht, am Tourismus zu ersticken.

00:00:18: Auf der Lieblingsinsel der Deutschen sind Strände und Straßen überfüllt, die Preise für Immobilien steigen.

00:00:24: Doch aus dem unauffölligen Wachstum wächst kein Wohlstand mehr für die Insulaner.

00:00:30: Hans Lenz lenkt seinen weißen Mercedes die geschwungenen Straßen vom Hafen des Oertjens Portal naus zur Siedlung Costa del Blanes hoch, dem Traumhaus entgegen, das bald nicht mehr stehen wird.

00:00:41: Der Sahara-Sandrägen, der tagelang Autos und Häuser mit einer ockerfarbenen Schlammschicht bedeckte, ist weitergezogen.

00:00:49: Jetzt ist wieder Postkartenwetter.

00:00:51: Blauer Himmel, leicht gekräuseltes Meer, lila leuchtende Blumen und eine Sonne, die um diese Zeit noch nicht so stark ist, dass sie die Vegetation verbrennt.

00:01:01: Schön ruhig hier, sagt Lenz und stoppt den Wagen vor dem Eingang, an dem das Schild Silvende hängt, zu verkaufen.

00:01:10: Der Mark lagit hinein, eine Kollegin wartet schon, sie verhandelt gerade am Telefon mit einem Interessenten.

00:01:16: Vor der kleinen Terrasse glitzert das Wasser im Pool, dahinter erstreckt sich das Mittelmeer.

00:01:22: Das wird abgerissen, ist nicht renovierbar, sagt Lenz, ungerührt über die Immobilie aus den neunzehnundachziger Jahren, die auf einem winzigen Grundstück steht und dennoch drei Komma fünf Millionen Euro kosten soll.

00:01:35: Der nächste Besitzer wird etwa das Doppelte aufbringen müssen und vier Jahre Zeit benötigen, um eine neue Villa zu bauen, für die er neunzig Prozent des Bauschutz verwenden muss.

00:01:45: Entweder verkauft er sie anschließend gleich weiter, um noch ein Geschäft zu machen oder er behält sie.

00:01:50: Allerdings nicht lange.

00:01:52: Die durchschnittliche Haltedauer solcher Häuser liege bei etwa sieben Jahren, so lends.

00:01:57: Dann suchten sich die Eigner einen anderen Platz im Paradies.

00:02:01: Die Maglerfirma, ein Ableger eines deutschen Unternehmens, bietet auf Mallorca zurzeit etwa zweitausend Immobilien an, vom Schloss für sechzig Millionen Euro bis zur Zweizimmerwohnung für zweihundertneunundzwanzigtausend Euro.

00:02:14: Die meisten ihrer Kunden kommen aus der Bundesrepublik, dem Land, dem die größte Mallorca-Liebe nachgesagt wird.

00:02:20: Mehr als vier Komma sechs Millionen Deutsche reisen jedes Jahr auf die Balliareninsel als Pauschaltouristen, Wanderfreunde oder Immobilienbesitzer.

00:02:30: In der Wahrnehmung vieler Major-Kina sieht das so aus.

00:02:33: Deutsche sitzen am Ballermann in der Schinkenstraße in riesigen Kneipen, die Bierkönig oder Bambuleo heißen, latschen ohne Oberkleidung durch die Altstadt von Palma und kaufen, wenn sie es sich leisten können, Haufenweise Immobilien.

00:02:47: Tatsächlich erwarben Bundesbürger im vergangenen Jahr die meisten Wohnungen und Finkers auf den vier balearischen Inseln.

00:02:54: Ihr Anteil an den nicht-spanischen Käufern betrug laut Notarkammer neunundfünfzig Prozent.

00:03:00: Lenz, der Luxushausanbieter, ist auf Mallorca aufgewachsen, erkennt die Sorgen und nötet der Einheimischen, die argwönig auf die reichen Europäer aus dem Norden schauen.

00:03:11: Die können sich Finkers leisten, deren Preise Lichtjahre von den Vermögensverhältnissen eines gewöhnlichen Mallorquinas entfernt liegen.

00:03:18: Ihr monatlicher Durchschnittslohn liegt bei ´thausend vierhundert Euro netto.

00:03:23: Seit ´zwei-tausend fünfzehn sind die Immobilienpreise um seventy- acht Prozent gestiegen.

00:03:28: Mallorquina benötigen laut Magler Lenz zwanzig Jahre, um sich mit ihrem Gehalt eine Wohnung oder ein Haus kaufen zu können.

00:03:35: In Madrid bräuchten sie nur neun Jahre.

00:03:38: Es kann nicht sein, dass sich die Insulaner keine Immobilie mehr leisten können, meint der Deutsche, der auch Sprecher des Balearischen Maklerverbands Abini ist.

00:03:47: Das Problem liegt allerdings bei der Politik.

00:03:49: Es müssen mehr Häuser und Wohnungen für die Residenzen entstehen.

00:03:53: Das dauert hier viel zu lange, sagt der Geschäftsmann.

00:03:57: Ich habe größte Sympathien mit den Demonstranten, versichert er.

00:04:05: Es brodelt auf Mallorca.

00:04:07: Seit dem Ende der Corona-Pandemie strömt alle Welt wieder auf die Insel.

00:04:11: Fast zwanzig Millionen Gäste besuchen das Eiland jedes Jahr, doch die Infrastruktur kommt nicht mit.

00:04:17: Es gebe zu viele Mietwagen, zu viele Flüge und einen großen Sanierungsstau lautet die immer wieder geäußerte Kritik von Umweltschützern und Politikern.

00:04:26: Allein am vergangenen Mittwoch starteten vom Flughafen Düsseldorf fünfzehn Maschinen mit Ziel Palma de Mallorca.

00:04:33: Die Insel kommt mit dem Ansturm nicht mehr zurecht.

00:04:35: Etwa dreißig Prozent des kostbaren Trinkwassers versickert im Boden.

00:04:40: Der Energieverbrauch steigt von Jahr zu Jahr und von den vierzehn Milliarden Euro, die Touristen jedes Jahr hier lassen, bleibt zu wenig hängen.

00:04:48: Wir schaffen es, nicht mehr Wachstum in Wohlstand zu übersetzen, sagt Antoni Rera, Wirtschaftsprofessor an der Universität von Palma und technischer Direktor bei Impulsar Baleras, einem Think Tank der Strategien für die Entwicklung Mallorcas ausarbeiten soll.

00:05:03: Die Insel stand jahrzehntelang in der Rangliste der stärksten Regionen Europas unter den Top-Fünfzehn.

00:05:09: Innerhalb von zwanzig Jahren rutschte sie auf Platz hundertvierunddreißig ab.

00:05:14: Jetzt müsse Schluss sein, sagt Alice Weber, grüne Stadtretin für Kultur der Stadt Inka und mit fünfzehn Jahren aus Deutschland auf die Baleareninsel ausgewandert.

00:05:23: Ihre Partei, die Messe per Mallorca, mehr für Mallorca, setzt sich für die regionale Eigenständigkeit der Insel und erhöhten Umweltschutz ein.

00:05:32: Weber sitzt in einem kleinen Café am Marktplatz und hat eine klare Vision von einem neuen Mallorca.

00:05:37: Weg mit den einundseipzig Kreuzfahrtschiffen, die bei uns im Jahr anlegen, das bringt uns überhaupt nichts, sagt sie.

00:05:43: Die Schiffe spuckten Passagiere aus, die kaum etwas kaufen, nehmen sechshunderttausend Liter Trinkwasser auf und führen dann einfach wieder ab.

00:05:51: Das ist nicht nachhaltig, sagt die Grüne.

00:05:54: Privatjets sollen nach dem Willen ihrer Partei auch nicht mehr landen dürfen.

00:05:59: und Pauschaltouristen, die für zweihundertfünfzig Euro in der Woche All-Inclusive-Urlaub machen, brauchen wir auch nicht, meint Weber.

00:06:06: Sonst würde sich Mallorca bald in eine Art Phantasialand verwandeln.

00:06:10: Erst vor wenigen Wochen tauchte er neut ein Beleg dafür auf, dass einige Besucher offenkundig Probleme haben, sich zu benehmen.

00:06:17: Ein Video, das einem betrunkenen Touristen zeigt, der von einem Hotelbalkon auf die Straße uriniert, flimmerte über die Handys der Mallorca.

00:06:25: Weber zeigt es und schüttelt den Kopf.

00:06:28: Ist das nicht unglaublich?

00:06:30: fragt sie rhetorisch.

00:06:32: Das sogenannte Balconing wird zur gefährlichen Freizeitbeschäftigung, wenn Gäste versuchen, vom Zimmer zu klettern oder in den Pool hinabzuspringen.

00:06:40: Ein Vergnügen, das wegen der damit oft einhergehenden Alkolisierung oft zu abstürzen und mehreren Todesfällen im Jahr führt.

00:06:49: Die Deutsche, die es in die Kommunalpolitik verschlagen hat, ist keineswegs generell gegen den Tourismus.

00:06:55: Wer hier wandern oder die Natur erleben will, soll gerne kommen.

00:06:58: Genau wie Familien.

00:06:59: Wir brauchen mehr nachhaltigen Tourismus, von dem die Insel auch etwas hat.

00:07:03: Weniger Ballermann, sagt die Grüner.

00:07:06: Überhaupt soll in Mallorca ein anderes Wirtschaftsmodell entwickeln.

00:07:09: Eines, das weniger Ressourcen verbrauche und Grüner sei.

00:07:13: Fast neunzig Prozent der Dinge, die wir hier verbrauchen, kommen vom Festland.

00:07:17: Das muss sich ändern, sagt Alice Weber.

00:07:21: Bedrängt fühlen sich längst auch die Bewohner im inländischen Zentrum der Insel.

00:07:25: Keimzelle der neuen Protestbewegung ist der Ort Senceles, eine dreitausendfünfhundert Einwohnergemeinde, die bis vor kurzem nur wenige Nicht-Residenten kannten.

00:07:35: Die Bewohner riefen im Mai zu einer Demonstration in Palma, der Inselhauptstadt, auf, zu der nach Polizeiangaben zehntausend Menschen kamen.

00:07:44: Die Leute aus Senceles sagen, dass es eher zwanzigtausend war.

00:07:48: Das Motto des Protestmarsches, Mallorca ist nicht zu verkaufen.

00:07:53: Und dieses hatten sie auf Plakate gemalt, die denen auf den Häusern glichen.

00:07:57: Den Cewende-Schildern von Hans Lenz und seinen Makler-Kollegen riefen sie ihre Parole entgegen, Mallorca no Eswen.

00:08:06: Es ist ein milder Juniabend, als Laura Pérez-Gonzalo im Restaurant Molico in Zencelles mit ihren Freunden an einem langen Tisch sitzt.

00:08:15: Komm, wir setzen uns da drüben hin, sagt sie.

00:08:18: Seit dem Protestmarsch Ende Mai muss sie in Medien immer wieder erklären, was ihre Gruppe will.

00:08:23: Wir sind eigentlich keine politische Vereinigung.

00:08:26: Es ist mehr eine lose Verbindung von Nachbarn, die sich auf WhatsApp Nachrichten schicken und Nachbarschaftshilfe leisten.

00:08:32: Die Leute aus Henzelles teilten auch ihre Nöte untereinander.

00:08:35: Und dazu gehöre die Sorge, sich das Leben auf der Insel bald nicht mehr leisten zu können.

00:08:41: Viele müssen die Insel verlassen und aufs Festland ziehen, weil sie weder etwas mieten noch kaufen können.

00:08:46: Das ist die Realität.

00:08:49: Auch Laura Gonzalo sagt, dass sie nicht grundsätzlich gegen Tourismus sei.

00:08:53: Ich bin geboren worden, weil es Tourismus gibt, sagt sie.

00:08:56: Meine Eltern zogen deswegen hierher.

00:08:59: Aber die Grenze sei überschritten.

00:09:01: Es gibt zu viele Immobilien, die zu Ferienhäusern umgewandelt werden und die wir uns nicht mehr leisten können.

00:09:08: Dieser Trend sei zwar in vielen Großstädten erkennbar.

00:09:11: Sie habe Freunde überall auf der Welt und dort sei es ganz ähnlich.

00:09:15: Mallorca ist eine Insel.

00:09:17: Wir können entweder hier bleiben oder müssen wegziehen.

00:09:20: Bekannte von ihnen verlassen Senselles bereits.

00:09:24: Wir verlieren unsere Freunde und Nachbarn.

00:09:26: Es besteht die Gefahr, dass wir es uns nie mehr leisten können, in unserer Heimat wohnen zu bleiben.

00:09:32: So die Aktivistin.

00:09:34: Viele Mallorca-Flüchtlinge landeten in den nordspanischen Regionen Galicien, Asturien und Cantabarien, direkt am Atlantik, schreibt die deutschsprachige Mallorca-Zeitung.

00:09:45: Dort sind die Grundstückspreise noch niedrig, das Klima ähnelt dem der Balearen und das Meer ist nah.

00:09:51: Doch die Neuen schlüpfen dort ungewollt in die gleiche Rolle wie jene Menschen, von denen sie einst selbst von den Balearen verdrängt wurden.

00:09:59: Sie renovieren verfallene Häuser, reaktivieren Gaststätten und treiben die Preise hoch, sodass die Alteingesessenen nun auch hier um ihre Zukunft fürchten, wie die Mallorca-Zeitung berichtet.

00:10:10: Und auch das löst Protest aus.

00:10:13: Gegen das Investitionsvorhaben eines mayorkinischen Bauträgers, der auf seventy-hektar dreihundertfünfzig Häuser und einen Golfplatz in der Nähe des kantabrischen Santander bauen wollte, gingen im Mai zehntausend Menschen auf die Straße.

00:10:26: So gerät ein Kreislaufengang.

00:10:28: Nord- und Mitteleuropäer kaufen Immobilien auf Mallorca auf, die Preise steigen, viele Einwohner ziehen aufs günstigere Festland und der Verdrängungsprozess beginnt von neuem.

00:10:38: Böse Absichten habe dabei niemand.

00:10:41: Es sei eben das System, sagt die grüne Politikerin Alice Weber.

00:10:46: Und das läuft immer weiter.

00:10:48: Also keine Aussicht auf Besserung?

00:10:51: Doch die gibt es.

00:10:52: Davon ist Ökonomie-Professor Antoni Rerau überzeugt.

00:10:56: Er lädt um achtzehn Uhr zu einem Gespräch in ein Hotel in Palma, trägt einen dunkelblauen Anzug, eine kleine Brille und zeigt ein Lächeln, das Zuversicht ausstrahlt.

00:11:05: Rehrer hat mit seinen Mitarbeitern der Organisation Impulsar Baleas das Konzept Mallorca-Zweißen-Fünfzig entwickelt, durch das sie allen Problemen der Insel begegnen wollen, sei es der Wohnungsnot, dem Massentourismus oder dem Sanierungsstau.

00:11:19: Wir müssen die Trägheit der Einwohner und Politiker brechen, sagt er.

00:11:24: Wir schauen zu viel auf einzelne Probleme.

00:11:26: Es sollte nicht um einzelne Fragen wie die mögliche Begrenzung des Flugverkehrs gehen, sondern um eine Strategie.

00:11:32: Eine Revolution.

00:11:34: Mehr Innovation.

00:11:36: Mehr Clevernis.

00:11:37: Die von Impulsar vorgeschlagene bedeutet Einführung der Kreislaufwirtschaft.

00:11:42: Die meisten Konflikte, die die Inselbelaste resultieren, aus dem Verlust der Produktivität.

00:11:47: Wir brauchen mehr Effektivität, Innovation und mehr Clevernis, sagt Rehera.

00:11:52: Weniger Autos, weniger Flüge?

00:11:55: Das hält der Ökonom für nicht zielführend.

00:11:58: Das Problem ist nicht die Menge, sondern unsere mangelnde Fähigkeit, mit der Menge umzugehen, erklärt Rehera.

00:12:03: Wir brauchen nicht weniger Touristen, sondern einen besseren Umgang mit Touristen.

00:12:08: Über Füllung, die Wohnsituation Ballermann-Exzesse.

00:12:12: Das sind für Rehrer alles Symptome, die zusammenhängen und nur mit einer umfassenden Strategie begegnet werden können.

00:12:18: Da klingt er bei NASA so wie Alice Weber oder Laura Gonzalo.

00:12:22: Die Kreislaufwirtschaft erklärt der Impulsamanzo.

00:12:26: Müllvermeidung helfe Ressourcen zu sparen.

00:12:28: Was im Abfall landet, soll entweder repariert, wiederverwendet oder kompostiert werden.

00:12:34: Nur der kleinste Teil landet dann in der Verbrennungsanlage.

00:12:38: Dieser Prozess würde Innovationen in Gang bringen, ist er sicher.

00:12:41: Was jetzt fehlt, sei nur noch eine kleine Sache.

00:12:44: Wir müssen die Politiker überzeugen, sagt Herrera und lacht.

00:12:48: Es gebe keine Alternative zu diesem Programm, sagt der Wissenschaftler und blickt über den Rand seiner Brille.

00:12:55: Wenn das nicht funktioniert, könnten wir alles verlieren.

00:12:58: Dann erstickt Mallorca am Tourismus.

00:13:02: Den Touristen gibt es natürlich nicht.

00:13:04: Es gibt den Fingerbesitzer, den Familienhotel-Urlauber, den Radfahrbesucher.

00:13:09: und dann gibt es eben den Ballermann-Freund, der auf vierhundertsechzig Metern der Schinkenstraße zwischen Bierkönig Megapark und Bambuleo pendelt.

00:13:17: in diesen Tagen ein gefälschtes Deutschland-Trikot, das die Afrikaner vor den Lokalen verkaufen und weiße Socken mit Badelatschen trägt.

00:13:25: An diesem Abschnitt beginnt das Phantasialand, eine Fünfzigtausend Quadratmeter große Zone eingeschränkter Zivilisation, ein germanisches Alkotrass.

00:13:35: Dessen Insassen sich nicht dazu veranlasst, denen sich im Urlaub außerhalb ihrer Reichweite zu Strand und Träsen zu begeben.

00:13:43: An diesem Mittwochabend, gegen dreiundzwanzig Uhr allerdings, ist es erstaunlich ruhig.

00:13:48: Gerade hat Deutschland gegen Ungarn mit zwei zu null gewonnen.

00:13:51: Im Bierkönig läuft die übliche Musik.

00:13:54: Ich bin Bier, Bier, Bieraktivist, ich kleb mich am Tresenfest und hoch die Hände, Bierpreisbremse.

00:14:01: Hobby-National-Spieler reißen die Arme hoch und trinken weiter.

00:14:05: Wirklich Sternhagel voll wirkt aber keiner.

00:14:08: Alle sind sehr freundlich, tauschen sich über die Preise ihrer T-Shirts aus und haben offenkundig einen guten Abend.

00:14:15: Ein junger Mann steckt einer professionellen Tänzerin einen Geldschein in Strumpfband, an der Leider-Bietungen scheinen aber sonst wenige Besucher Interesse zu haben.

00:14:24: Das frühere Eimersaufen ist seit langem verboten, ebenso wie seit kurzem Alkoholkonsum außerhalb der Lokale.

00:14:31: Es sind alle Generationen vertreten, vom achtzehnjährigen bis zur Rentnerin, die beherzt das Literglas ansetzt.

00:14:39: Keine Exzesse, keine Pübelein in Sicht.

00:14:41: Laut ist es trotzdem.

00:14:43: Die feiersüchtige Mäute aus dem Land von Beethoven und Bach grült jetzt bei schlüpfrigen Partyhits von Icke Hüftgold mit, der hier gerne auftritt.

00:14:52: Sieht so der Untergang des Abendlands aus?

00:14:56: Mallorca, dieses drei Tausend sechshundertvierzig Quadratkilometer große Universum im westlich Mittelmeer, vereinigt viele kleine verschiedene Planeten in sich, die in einer Art friedlicher Koexistenz zusammenleben, sich aber nicht viel zu sagen haben.

00:15:11: Hans Lenz, der Makler, dürfte sich auf dem schönsten aufhalten.

00:15:15: Er blickt zum Meer.

00:15:17: Neben ihm rangt sich die lilafarbene Bougainvillea durch das steinande Geländer des Puls.

00:15:22: Das hier ist eine der schönsten Ecken der Insel, sagt er und lächelt.

00:15:27: Dann geht er rein, seine Kollegin winkt ihn heran.

00:15:30: Sie hat die Immobilie so eben verkauft.

00:15:33: Das war der Hörartikel, Keine Lust auf Phantasialand, gelesen von Sörenhahn für Artikel.

00:15:43: Gefällt dir, was du hörst?

00:15:45: Dies ist ein Hörartikel von Artikel.

00:15:48: Bei uns kannst du die besten Texte aus Zeitungen wie Die Welt, Süddeutsche Zeitung, FAZ und Co hören.

00:15:55: Lade dir dazu die Article-App aus dem App Store direkt auf dein Handy.

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