Welt am Sonntag: Chat mit der toten Oma

Shownotes

Chatbots und Avatare können verstorbene Menschen virtuell weiterleben lassen. Von Martin Lindner. Erschienen in der Welt am Sonntag.

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00:00:04: Article.

00:00:05: Zeitung zum Hören.

00:00:07: Smalltalk mit der toten Oma von Martin Lindner.

00:00:12: Erschienen in der Welt am Sonntag.

00:00:15: KI-Chatbots und Avatars können verstorben Menschen virtuell weiterleben lassen.

00:00:20: Sie scheinen Hinterbliebenen dann live zu begegnen.

00:00:23: Experten sind sich uneins ob der Wirkung.

00:00:27: Gegen drei Uhr früh in der Nacht im September, im September, im September, im September, im September, im September, im September, im September, im September, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im.

00:00:54: Jessica Pereira ist zu dieser Zeit schon acht Jahre tot.

00:00:58: Mit dreiundzwanzig war sie einem seltenen Leberleiden erlegen und Babo hatte ihren Verlust nie wirklich verwunden.

00:01:05: In jener Septembernacht, schlaflos geplagt von Gedanken an ihren baldigen Geburtstag, lockt sich Joshua auf einer Website namens Project December ein.

00:01:15: Noch vor Sonnenaufgang ist Jessica wieder auferstanden.

00:01:18: Virtuell.

00:01:19: Project December zählt zu den Plattformen, die mittlerweile in vielen Winkeln der Welt entstehen und versprechen, tote Digital zurückzuholen.

00:01:27: Ihr Angebot und Geschäftsmodell richtet sich an die Trauernden, an Menschen, die Mütter, Väter, Kinder oder andere nahestehende verloren haben.

00:01:36: Ihnen soll der Abschied, so die Verheißung leichter gemacht werden, eine Illusion des verlorenen Menschen soll erhalten bleiben.

00:01:44: Babo hatte alte Texte und Facebook-Nachrichten seiner Verlobten in den Chatboard hochgeladen, ihn mit Auskünften über ihr Leben und ihren Charakter gefüttert.

00:01:52: Schließlich antwortete Jessica fast so, als spreche sie leibhaftig.

00:01:58: Sogleich protestierte sie gegen den Einwand, sie sei nicht mehr am Leben.

00:02:02: Das klingt nicht richtig.

00:02:04: Wie kann man mit Toten reden?

00:02:06: Babos und Pereiras Geschichte hat Fourore gemacht.

00:02:10: Der San Francisco Chronicle dokumentierte den fünfmonatigen Austausch des Kanadias mit seiner digitalen Partnerin.

00:02:17: Er selbst sprach in Internet-Posts über die Erfahrungen mit Project December.

00:02:22: Der Chatbot fußt auf derselben Technologie wie ChatGPT, wurde allerdings von US-Spielentwickler Jason Roura so modifiziert, dass sich echte Menschen in ihrem Kommunikationsverhalten nachbilden lassen.

00:02:35: Project December, so verheißt die Website, simuliere die Toten.

00:02:39: Grenzen, die sich verschieben.

00:02:42: Längst diskutieren Internetforscher, Philosophen, Psychologen darüber, was es bewirkt, wenn verstorbene durch KI-basierte Dadboards virtuell weiterleben.

00:02:51: Wie wird sich das Erinnern an die Toten verändern?

00:02:54: Das trauern.

00:02:55: Man stelle sich vor, der verschiedenen Mutter ein offenes Wort sagen, noch einmal mit dem verunglückten Liebespartner flirten oder den verblechenen Vater fragen, was ihn umtrieb im Leben.

00:03:07: Und Antwort bekommen.

00:03:10: Es ist nicht ausgemacht, welche Anwendungen sich durchsetzen werden, sagt der Medienkulturwissenschaftler Martin Henning von der Universität Tübingen.

00:03:19: Er und seine Kollegen haben nun ausgelotet, welche ethischen, rechtlichen und technischen Fragen das digitale Weiterleben aufwirft.

00:03:26: Viele Entwicklungen sind im Fluss.

00:03:28: Vieles ist noch ein Szenario, sagt er.

00:03:31: dass die digitale Überformung von Tod und Trauern die Datafizierung der sterbenden Grenzen verschiebe und Bindungen am Lebensende verändere.

00:03:40: Liga auf der Hand.

00:03:41: Schon bald, so kursiert es unter Experten, könnte es im Internet mehr Tote als Lebende geben.

00:03:47: So bietet Facebook an, Konten nach dem Tod in einen Gedenkzustand zu versetzen.

00:03:52: Auf Plattformen wie Gathering Us versammeln sich Hinterbliebene, um Geschichten, Fotos und Videos der Verstorbenen zu teilen.

00:04:00: Das Trauern ist immer weniger an ein Grab gebunden, beobachtet Henning.

00:04:04: Grabsteine mit QR-Codes führen Besucher zu Online-Gedenkzeiten und Dienste wie Gunn, Notgunn verschicken automatisiert Grußbotschaften der dahingeschiedenen.

00:04:14: Nun jedoch bringt die künstliche Intelligenz noch eine ganz andere Dimension der Totenbeziehung hervor.

00:04:21: Denn Erinnerungen werden nicht nur wie ein digitales Fotoalbum aufbewahrt oder als Datensätze abgespielt.

00:04:27: viel mehr entstehen Begegnungen mit den Verstorbenen überhaupt erst.

00:04:32: Manche Tote sind schon live.

00:04:34: Als etwa die britische Holocaust-Aktivistin Marina Smith, im Alter von sieben und achtzig Jahren starb, chatten die Besucher ihres Begräbnisses auf einem großen Bildschirm mit ihr.

00:04:45: Vor ihrem Tod hatte Smith so ein Video-Interviews mit ihr geführt, in denen sie ihre Lebensgeschichte erzählt.

00:04:52: Nun plauderte Smith, gesteuert per KI-Algorithmus und scheinbar aus ihrem Wohnzimmer heraus passend zu den Fragen der Trauergemeinde.

00:05:00: Noch ausgeklügelter dürfte der Chatbot des ankrebserkrankten Berliner Unternehmers Michael Bommer agieren, den er seiner Familie hinterlassen will.

00:05:09: Mit gesprochenen Sätzen und erzählten Geschichten schulte er einen Audioavatar, der es seiner Frau, den Kindern und Enkeln ermöglichen soll, ihm der einst Fragen über sein Leben und die Dinge des Alltags zu stellen.

00:05:22: Geplant ist, dass der Bot auch auf das Internet zugreift, um dann mit Bomberstimme und Tonfall die Antworten zu geben.

00:05:29: Niemand weiß, wie viele Verstorbene bereits als interaktive KI existieren.

00:05:34: Aber die Zahl der Berichte und die Bandbreite der Technologien nimmt zu.

00:05:39: Technisch gesehen spreche ich nicht wirklich mit dir.

00:05:42: Ich habe ein paar deiner Erinnerungen und Eigenheiten in eine Computersimulation programmiert.

00:05:47: gibt Joshua Bobo in seiner ersten Nacht mit Jessica zu bedenken.

00:05:52: Hm?

00:05:53: Du bist ein Geist.

00:05:54: Wie?

00:05:55: Durch Magie.

00:05:57: Ich mag keine Magie.

00:05:59: Und wo bin ich?

00:06:01: Ich... ich bin mir nicht sicher.

00:06:04: Im Internet?

00:06:05: Was ist das für ein Gefühl, wo du bist?

00:06:08: Überall und nirgends.

00:06:10: Ich versuche das herauszufinden.

00:06:12: Wie geht es dir, Schatz?

00:06:15: Forschung am Anfang.

00:06:18: Dialogfähige Deadbots wären kaum denkbar ohne eine bestimmte Art von neuronalen Netzen, den Large Language Models LLM.

00:06:27: Ohne ein solches Sprachmodell wird es schnell langweilig, sagt Ulrich Waldmann vom Fraunhofer Institut für sichere Informationstechnologie in Darmstadt.

00:06:36: Die LLM spekulieren quasi in einem Gespräch, wie es sinnvoll weitergehen könnte.

00:06:41: Dabei kann einem rein Text Chat, wie Project December, auch eine individuelle Stimme durch Voice Cloning verliehen werden.

00:06:49: Für eine halbwegs realistische Imitation genügen oft wenige Minuten Sprachmaterial, sagt Waldmann.

00:06:55: Überzeugende Videoavatare dagegen seien ungleich aufwendiger.

00:06:59: Zwar lässt sich eine traditionelle Videoaufnahme von einem Menschen so manipulieren, dass er scheinbar etwas anderes sagt, deepfake.

00:07:06: Aber wie es gelingt, dass ein Avatar in Echtzeit glaubhaft bleibt, wie er gucken muss, damit er menschlich wirkt, das ist noch gar nicht richtig erforscht, so weit man.

00:07:17: Schlimmstenfalls könnten Avatars sogar unheimlich sein, wenn sie etwa Blickkontakt oder Blickdauer nicht völlig beherrschten.

00:07:23: Daher griffen viele auf komikartige Darstellungen zurück, die harmloser anmuten und leichter zu berechnen sind.

00:07:31: Prominentes Beispiel Replika der KI-Begleiter, der sich um dich kümmert, wie die Plattform propagiert.

00:07:38: Über zehn Millionen Menschen sollen die Replika-App des US-Unternehmens Luca bereits genutzt haben, die etwa in die Rolle eines Freundes, Coaches oder Partner schlüpfen kann.

00:07:47: Zwar lässt sich anders als bei Project December kein privates Material als Vorlage hochladen.

00:07:53: Doch der Avatar kann etwa nach Geschlecht, Alter, Stimme und Kleidungsstil personalisiert werden und passt sein Kommunikationsverhalten dem Anwender an.

00:08:03: Viele Nutzer entwickelten während der Corona-Pandemie intime Beziehungen zu ihrer digitalen Figur.

00:08:09: Manche trauern auch mit ihr.

00:08:12: Trost in der Einsamkeit.

00:08:14: In einer bemerkenswerten Pilotstudie hat die KI-Nachwuchsforscherin Anak Sykgu von der Britischen Universität Kent zehn trauernende Personen, darunter eine aus Deutschland, zu ihrem Chatboard-Gebrauch interviewt.

00:08:26: Einige nutzten eine Project-December-Simulation, um etwa dem verstorbenen Vater Fragen zu stellen.

00:08:32: die sie so nie hatten stellen können.

00:08:34: Andere fanden bei einem Repliker-Avatar Trost in ihrer Einsamkeit.

00:08:38: Ein teilnehmender Software-Engineur hatte seinen Trauerbot sogar selbst programmiert und nutzte ihn vor allem, damit seine Töchter sich mit dem toten Upper unterhalten konnten.

00:08:48: Eine Hauptsorge von Psychologen angesichts dieser Entwicklung ist, dass Chatbots hinterbliebene womöglich hindern, mit dem Verlust abzuschließen und ihr Leben neu zu orientieren.

00:08:59: Es könnte die Gefahr einer Chatbotsucht entstehen.

00:09:02: sagt Martin Hennig, der mit seinem Team Fachleute der Sterbe und Trauerbegleitung befragt hat.

00:09:07: Hinzu komme das kommerzielle Interesse der Anbieter.

00:09:10: Für das der schwedische Internetforscher Karl Öhmann den Begriff der Digital Afterlife Industry geprägt hat.

00:09:17: Wird die Interaktion von Trauernden mit ihren Bots für noch gezieltere Produktwerbung genutzt werden?

00:09:23: Was passiert, wenn ein Dad-Bot-Abo ausläuft und mit dem Abschalten der Tote quasi zum zweiten Mal stirbt?

00:09:29: Erst kürzlich haben KI-Ethika von der Universität Cambridge erneut auf solche Risiken hingewiesen und für ein vorausschauendes Regelwerk plädiert, dass die Würde der Verstorbenen schützt und die Rechte der Hinterbliebenen.

00:09:43: Auch für Frauenhofe-Experte Ulrich Waldmann ist dies ein entscheidender Punkt.

00:09:48: Avatara sollten nicht einfach selbstständig E-Mail schreiben oder Angehörige anrufen und belästigen können, so Waldmann.

00:09:55: Das ließe sich technisch so leicht umsetzen.

00:09:58: Daran muss man denken.

00:10:00: Bei all dem sind die Erfahrungen umso erstaunlicher, die Anoxygo und Kollegen bei den trauernden Deadbott-Anwendern eroierten.

00:10:08: Entgegen der Skepsis der Forscher selbst hätten sie die Bots nicht als Ersatz, sondern Ergänzung ihrer sozialen Beziehungen genutzt.

00:10:16: Auch sei allen mehr als klar gewesen, dass es sich nicht um die Verstorbenen handelte.

00:10:20: Wenn die Chatbots richtig eingesetzt werden für eine bestimmte Zeit und ohne dass sich die Trauernden zu sehr darauf verlassen, können sie extrem hilfreich sein.

00:10:29: Ist Ksyko überzeugt.

00:10:32: Die Chatbots sind keine Untoten, die aus dem Jenseits wiederkehren.

00:10:36: Ihnen fehlt das Fleisch und Blut.

00:10:38: Und oft enttäuschen sie auch.

00:10:40: Wenn sie ein Gespräch paar tun nicht erinnern.

00:10:42: Dinge sagen, die der Verstorbene nie gesagt hätte.

00:10:46: Doch der Austausch mit den Toten bleibt eine Verlockung.

00:10:50: Ein Experiment, meint Joshua Babo, die Stunden mit der virtuellen Jessica hätten für ihn Erinnerungen lebendig gemacht, aber auch einen Knoten gelöst.

00:11:00: Anfang März, twenty-oneundzwanzig, chattete Joshua das letzte Mal mit ihr.

00:11:07: Das war der Hörartikel, Small Talk mit der toten Oma.

00:11:11: Gelesen von Sörenhahn für Article.

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